Charakteristik | Nördlich der Unstrutniederung zwischen Artern und Roßleben liegt der Bottendorfer Hügel wie eine Insel in der umgebenden Ackerlandschaft. Das Gebiet zeichnet sich durch einen Struktur- und Artenreichtum aus, der in der Vergangenheit zahlreiche Botaniker, Geologen und Historiker angezogen und zu Forschungen angeregt hat. Denn infolge tektonischer Prozesse standen bzw. stehen an der Oberfläche verschiedenartige Gesteine wie Oberrotliegend-Konglomerate, Kupferschiefer, Gipse und Dolomite (“Stinkschiefer“) des Zechsteins an. Der Kupferschiefer, der Kupfer, Blei und Zink in höheren Konzentrationen enthält, ist durch natürliche Erosion und den Abbau weitestgehend verschwunden. Doch sind dessen Schwermetalle stellenweise in die darunter liegenden, nicht abbauwürdigen und gegen Erosion stabileren Konglomerate und Sandsteine (Zechsteinkonglomerat, „Grauliegendes“, „Weißliegendes“) eingedrungen, die heute noch anstehen. Dort konnten sich natürliche Schwermetallrasen entwickeln, welche später auch die Umgebung der Schachtlöcher und Halden des ehemaligen, etwa 450 Jahre andauernden Kupferschiefer-Bergbaus besiedelten. Daneben finden sich auch kleine Steinbrüche des ehemaligen Gipsabbaus. Die verschiedenartigen Gesteine, die damit verbundenen Bodenbildungen und die vielfältige Nutzungsgeschichte, zuletzt auch als militärisches Übungsgelände, führten zu einem Mosaik von Pflanzengesellschaften: kontinentale sowie submediterrane Trocken- und Halbtrockenrasen sind eng verzahnt mit Schwermetallrasen und Pionierfluren offener Felsstandorte. Aufgrund der Artenzusammensetzung können die Schwermetallrasen als besondere Ausprägung der subpannonischen Steppen angesehen werden. |
Arten | Besonders hervorzuheben sind die Schwermetallrasen mit Beständen der Galmei-Grasnelke (Armeria maritima ssp. halleri), die im Gebiet als „Bottendorfer Grasnelke“ bekannt ist. Auch die Frühlings-Miere (Minuartia vernassp. hercynica) als arktisch-alpine Reliktart ist von besonderem Interesse. Die Magerrasen fallen besonders von April bis Juni zur Blüte der Kuhschellen (Pulsatilla vulgaris) und des Kleinen Knabenkrauts (Orchis morio) auf. Bereiche mit subpannonischen Steppenrasen sind in dieser Zeit durch die goldgelb-blühenden Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) zu erkennen. Weitere Besonderheiten der kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sind das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) und das Gelbscheidige Federgras (Stipa pulcherrima), welches nur im Ostteil des Gebietes zu finden ist. Die Felsstandorte sind bedeckt von einem bunten Teppich mit Frühblühern, wie dem Felsen-Goldstern (Gagea bohemica) und dem Frühen Ehrenpreis (Veronica praecox), zu dem sich auch das seltene Badener Rispengras (Poa badensis) gesellt. Der weißblühende Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) bildet auf tiefgründigeren Standorten reizvolle Blütenteppiche. Wertgebend sind auch die Bunte Erdflechten-Gesellschaft oder verschiedene Bauchpilze, wie der Zwerg-Bovist (Bovista pusilla) sowie der Große und Kleine Scheibenbovist (Disciseda bovista, D. candida). Zahlreiche Insektenarten sind nachgewiesen, darunter die Blattkäfer Labidostomis lucida, Chrysolina reitteri und Longitarsus echii sowie die Grüneule (Calamia tridens) und der an Mönchskraut (Nonea pulla) lebende Eulenfalter Euchalcia consona. |