Charakteristik | Das Gebiet wird charakterisiert durch eine Reihe von Gipskeuperhügeln, die - umgeben von weiten Ackerflächen - im zentralen Thüringer Becken nördlich der Landeshauptstadt Erfurt liegen. Die Schwellenburg ist die südöstlichste und gleichzeitig markanteste Erhebung der Hügelkette. Sie ist geprägt durch eine vielfältige Nutzungsgeschichte, welche einen herausragenden Strukturreichtum förderte. Frühzeitliche Besiedlungen, verbunden mit Gipsabbau, Wein- und Obstanbau und vor allem die Beweidung ließen Hangterrassen mit ausgedehnten Halbtrocken- und Trockenrasen sowie offene Felsbereiche entstehen. Bereits am Aufgang des Hügels lassen sich die grau-roten „Badlands“ bestaunen, während auf dem Plateau glänzende Kristalle des sogenannten Heldburggipses zu sehen sind. Bei genauer Suche kann man zudem die letzten Rebstöcke entdecken. Zwar kam der Weinanbau bereits im 17. Jh. zum Erliegen, allerdings wurden zu Beginn des 20. Jh. erneut einzelne Rebstöcke gepflanzt, deren Trauben zuletzt in den 1950er verlesen wurden. Am Südhang der Schwellenburg wird die Arten- und Strukturvielfalt außerdem durch zahlreiche Wildkaninchenbaue geprägt. Schaut man von der Schwellenburg in nordwestliche Richtung kann man noch weitere Gipskeuperhügel, z. B. das Kippelhorn oder den Marolsberg, erkennen. Auch dort sind zum Teil artenreiche Magerrasen zu finden. |
Arten | Besonders auf der Schwellenburg kommen ausgedehnte kontinentale Trocken- und Halbtrockenrasen mit typischen Steppenpflanzen, wie dem Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), dem Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), dem Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), dem Zierlichen Hartheu (Hypericum elegans), der Grauen Skabiose (Scabiosa canescens), dem Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) oder der Steppen-Segge (Carex supina) vor. Im April kann man auf dem Plateau das Steppen-Stiefmütterchen (Viola kitaibelliana) finden, welches hier bundesweit sein aktuell einziges Vorkommen aufweist. Daneben treten im Gebiet auch seltene Pflanzen ruderaler Standorte, wie das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), der Igelsame (Lappula squarrosa), der Gewöhnliche Andorn (Marrubium vulgare) und der Rote Hornmohn (Glaucium corniculatum) auf. Weiterhin sind Ackerwildkräuter wie das Rundblättrige Hasenohr (Bupleurum rotundifolium) oder der Ackerkohl (Conringia orientalis) zu finden. Auf den wärmegetönten Gipsstandorten kommen zudem bemerkenswerte Niedere Pflanzen wie das Drehzahnmoos (Tortula revolvens), der Zwerg-Erdstern (Geastrum minimum) und die Steppen-Trüffel (Gastrosporium simplex) vor. Auch die anderen Kuppen der Hügelkette beherbergen neben Arten der Steppenrasen viele Vertreter der submediterranen Halbtrockenrasen, wie Fransenenzian (Gentianella ciliata) und Gelbe Sommerwurz (Orobanche lutea), sowie typische Arten der Gipsfelsfluren, wie das Ebensträußige Gipskraut (Gypsophila fastigiata), zu finden. Aus faunistischer Sicht ist das Gebiet ebenso bedeutsam. Die Schwellenburg zählt in Bezug auf die Tagfaltervorkommen zu den wertvollsten Trockenrasen des Thüringer Beckens. Zu nennen sind dabei u. a. Kleiner Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) und Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae). Gleichwohl ist z. B. bei den Käfern mit den Laufkäfern Harpalus zabroides, Harpalus smaragdinus, Harpalus subcylindricus, Harpalus politus sowie den Blattkäfern Longitarsus minimus und Longitarsus quadriguttatus eine bemerkenswerte Dichte schützenswerter Arten vorhanden. Bedeutend ist auch das Vorkommen der Zauneidechse (Lacerta agilis) und des Steinschmätzers (Oenanthe oenanthe), der 2011 wieder nachgewiesen werden konnte. |