Charakteristik | Das im innerthüringischen Ackerhügelland gelegene Gebiet zeigt ein Mosaik aus kleinflächigen Laubmischwäldern und ausgedehnten Magerrasen mit Streuobstwiesen und Feldgehölzen.
Die kargen Standortverhältnisse auf den teils stark südexponierten Gipskeuperhügeln, verbunden mit der traditionellen Nutzung als Hutung, ließen im Laufe der Jahrhunderte ausgedehnte Steppenrasen sowie submediterrane Halbtrocken- und Trockenrasen entstehen. Stellenweise stehen die Mergel- und Gipsgesteine des Mittleren Keupers oberflächlich an, auf denen sich eine lückige Pioniervegetation entwickelt hat. Auf dem Plateau am Totenhügel bei Nausiß sind stellenweise Kiese und Sande der Elster-Kaltzeit abgelagert, auf denen ebenfalls artenreiche Steppenrasen zu finden sind. An Erosionsstellen - vor allem im nördlichen Teil des Gebiets zwischen Günstedt und Kindelbrück – sind kleinflächig Badlands zu sehen. |
Arten | Von besonderem Wert ist das große Vorkommen des Stängellosen Tragant (Astragalus exscapus) im südlichen Teil des Projektgebiets bei Nausiß und Herrnschwende, der mit seinen zottig behaarten Stängeln und Blättern und den kräftig gelben Blüten im Mai zu entdecken ist. Als nacheiszeitliche Steppenreliktpflanze erreicht er hier seine westliche Verbreitungsgrenze. Damit haben die Bestände von insgesamt mehreren hundert Exemplaren eine große Bedeutung für den Erhalt dieser weltweit seltenen Art. Als weitere Vertreter der kontinentalen Trockenrasen können entdeckt werden das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), der Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), der Dänische Tragant (Astragalus danicus), die Graue Skabiose (Scabiosa canescens) und der Deutsche Alant (Inula germanica). Ein Blick an die angrenzenden Ackerränder zeigt eine äußerst artenreiche Ackerwildkrautflora, u.a. mit Flammen-Adonisröschen (Adonis flammea), Krummborstigem Mohn (Papaver hybridum), Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis), Rundblättrigem Hasenohr (Bupleurum rotundifolium), Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis), Ackerkohl (Conringia orientalis), Dreihörnigem Labkraut (Galium tricornutum) und Venus-Kamm (Scandix pecten-veneris). Aus faunistischer Sicht ist das Gebiet u. a. für Vogelarten, wie die Grauammer (Emberiza calandra) oder den Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) interessant, die offene bis halboffene Lebensräume mit einzelnen Gehölzen als Sitzwarten benötigen. Auch die Käferwelt weist viele gefährdete Arten auf, u. a. den Ölkäfer (Meloeviolaceus), den Erdbock (Dorcadion fuliginator), die Laufkäfer Licinus cassideus, Harpalus politus und Harpalus subcylibndricus, sowie die Blattkäfer Longitarsus absynthii und Dibolia timida. Das Gebiet besitzt also eine für die Thüringer Steppenrasen typische, sehr reiche und schützenswerte Wirbellosen-Fauna. |